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Was ist Yoga?

Posted by on Apr 11 2016, in für einsteiger, philosophisches, was ist yoga

Ein erster Zugang

Meine persönliche Geschichte mit Yoga begann, als ich mir mit etwa 17/18 Jahren einige Bücher zur östlichen Philosophie besorgt habe. Darunter befanden sich ein Buch über den Buddhismus, Taoismus, Fengshui, Zen und eins zu Yoga. Es handelt sich dabei um kein klassisches Werk des Yoga sondern um einen “Ratgeber”, der nicht einmal einen Autor auf der Deckseite benennt. Damals war Yoga von der Industrie noch nicht so erschlossen und das verfügbare Angebot entsprechend klein, dieses Buch war einfach das beste Ergebnis bei Amazon (das damals ebenfalls noch neu und revolutionär war).

Gelernt habe ich trotzdem etwas und ich habe das Buch sogar noch immer, auch wenn es inzwischen schon etwas muffig riecht. Auf der Rückseite steht folgendes über Yoga: “Yoga hilft bei der Entspannung, führt zu größerer Ausgeglichenheit und besserer Körperbeherrschung. Die uralte Methode gewinnt immer mehr an Bedeutung, um Stress zu bewältigen und zur inneren Ruhe zu finden.” – Wenn ich meine Kursbeschreibung für Yoga anschaue, so wird mir klar, dass ich davon vielleicht mehr beeinflusst bin, als mir bewusst ist. Vielleicht bin ich aber auch einfach der gängigen Auffassung gefolgt, denn die am direktesten spürbaren Wirkungen des Yoga sind nun einmal: Entspannung, Ausgeglichenheit und Körperbeherrschung.

Ich finde diese drei Wirkungen sind ein guter Ausgangspunkt, denn sie beantworten die auf den Nutzen orientierte Frage, des wirtschaftlich geprägten westlichen Denkers. Dieser Fragt nämlich bei allem was er tut: Was habe ich davon? Wenn mich also jemand fragt, was Yoga ist, fragt er heimlich auch immer nach dem Nutzen. Er fragt danach, was er persönlich davon hat. Nun ist es oft etwas verpönt, direkt nach dem Nutzen zu fragen, denn dann gilt man schnell als Egoist, denn neben der Prägung des Kapitalismus, gibt es noch andere Ethiken, die oftmals miteinander konkurrieren. Das Leben soll nicht nur “gut” sein, es soll auch “Sinn” machen, wir wollen auch Dinge um ihrer selbst willen tun und dabei auch “gute” Menschen sein, die “Gutes” bewirken. Das passt es nicht in das Bild zu fragen: Was habe ich davon? Also fragen wir meist indirekt.

Was hat jemand also davon, Yoga zu praktizieren? Die erste Antwort lautet: Mehr Entspannung, Ausgeglichenheit und Körperbeherrschung. Doch wie gelingt das? Bekomme man nicht auch Körperbeherrschung durch Sport und könnte man nicht einfach Fernsehen oder Baldrian nehmen um sich zu entspannen? Warum soll man dafür Yoga machen und die damit verbundenen, zunächst seltsam wirkenden, Haltungen und Verrenkungen einnehmen?

Die Antwort darauf ist nicht ganz so einfach, denn man kann darauf nur antworten: Ja, das kann man machen. – Aber: Die Ergebnisse sind nicht die gleichen. Sie mögen sich kurzweilig ähnlich anfühlen, dennoch gibt es einen sehr feinen, aber wichtigen Unterschied. Das was man mit Yoga erreicht, geschieht bewusst und nachhaltig und ist unabhängig von äußeren Mitteln.  Yogapraxis hat als eigentliches Ziel die Freiheit vor Augen und zwar die Freiheit auf allen Ebenen. Wenn man eine Pille oder den Fernseher braucht um zu entspannen, dann ist ich nicht frei von äußeren Mitteln. Yoga hingegen kann man immer und überall üben. Zudem ist die Wirkung von Yoga tiefgreifender.

Yogastunden zeichnet vor allem die Ruhe aus, die durch ihren Kontrast zu dem hektischen Alltag, auch dem modernen Menschen ermöglicht wieder “zu sich” zu finden. Dieses Erlebnis stellt sich zum Beispiel auch im Urlaub ein; wenn man fern ab, der alltäglichen Verpflichtungen ist, können die meisten Gedanken wieder still werden und es ist wieder Zeit und Raum vorhanden um sich wieder auf die basalen Fragen des Lebens zu besinnen: Wer bin ich? Was will ich sein? Wo will ich hin? … Fragen die oft genug weit weg geschoben werden aber trotzdem weiter in unserem inneren brodeln, wenn sie nicht beantwortet sind.

Warum soll man sich aber verrenken, wenn es nur darum geht, “den inneren Frieden zu finden”? Während wir im Westen kulturell ein dualistisches Weltbild haben, also an eine Trennung zwischen Körper und Geist glauben, gibt es diese Trennung im Yoga nicht. Und während wir jetzt erst beginnen zwischen Körper und Geist eine wechselseitige Verbindung (jenseits von “ghost in the machine“, nach Descartes) zu sehen, zum Beispiel in Form von “Embodiment” in der Psychologie. In östlichen Traditionen ist dieses Denken schon lange verbreitet und das nicht nur im Yoga, sondern auch in den anderen großen Traditionen, wie Zen, Taoisimus, Tantra und Konfuzianismus.

Diese Vorstellung wird wohl am deutlichsten in dem Ausspruch “Ein gesunder Geist, wohnt in einem gesunden Körper.” zu Ausdruck gebracht. Jedoch wird bereits hier unsere dualistische Vorstellung sogar hier deutlich. Im Yoga wird zwischen Körper und Geist nicht dieser offensichtliche Unterschied gemacht. Körper und Geist sind zwei Seiten der gleichen Medaille, der Körper ist nicht bloß Träger unseres Geistes; es ist beides das Selbe – und da es das Selbe ist können wir durch körperliche Übungen, direkten Einfluss auf das Geistige nehmen – und umgekehrt.

Warum aber ist das Üben von Yoga nachhaltiger als Sport? Nun, das muss gar nicht der Fall sein. Es kommt auf den “Geist” an, in dem das Üben ausgeführt wird. Sport wird häufig nebenbei gemacht. Die Aufmerksamkeit liegt nicht im Hier und Jetzt und nicht im eigenen Körper, die Gedanken liegen oft bei etwas anderem: Beim Joggen wird häufig Musik gehört oder der nächste Einkauf geplant, beim Fussball ist die Aufmerksamkeit beim Gewinnen und den Bewegungen der Anderen, beim Tennis achtet man auf die Bewegungen des Balls und versucht diesen über das Netz zu schlagen. Im Yoga hingegen wird die Aufmerksamkeit immer wieder nach Innen gelenkt, es wird auf den Atem, den Körper, die Gedanken und Gefühle geachtet. Der Yogi versucht sich in seiner Praxis alles Bewusst zu machen, was ihn gerade manifestiert und das auszublenden, was ihn davon ablenkt, wie zum Beispiel den Einkauf von nächster Woche.

Als eine erste Zusammenfassung können wir etwa sagen, dass Yoga etwas ist, das unsere Lebensqualität verbessert, indem wir lernen zu entspannen und dadurch die Zeit finden uns in Ruhe mit den wichtigen Fragen des Lebens zu befassen. Dies wird erreicht durch bewusste und achtsame Körperarbeit, wie zum Beispiel Asanas und Atemübungen, da Körper und Geist in einer tiefgreifenden Wechselwirkung gesehen werden.

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